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Betreff: Programmbeschwerde: Ein Grenzen verletzender Kommentar
Datum: 05. Januar 2017 um 16:07:03 MESZ
An: "NDR RR VWR" [email protected], [email protected]

Programmbeschwerde: Ein Grenzen verletzender Kommentar

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte des NDR, sehr geehrter Herr Intendant,

an den Autor eines Kommentars für ein Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind drei Mindestanforderungen zu stellen:

  1. dass er mit der deutschen Sprache einwandfrei umgehen kann.
  2. dass er das Maß wahrt, also bezogen auf andere Personen und Gegebenheiten in gleicher Weise formulieren würde.
  3. dass er die Form wahrt, also sachlich korrekt bleibt.

Im Übrigen sind auch einem Kommentator im Programmauftrag und in den Programmrichtlinien Grenzen gesetzt, in denen er sein Recht auf Meinungsäußerung ausüben kann. Zum Beispiel hat er auf persönlich verletzende Bemerkungen und verächtlich machende, kindische Scherze mit Familiennamen zu verzichten. Kommentator M. Ganslmeier, ARD-Studio Washington, erfüllte mit dem o.g. Kommentar weder die Mindestanforderungen noch wahrte er besagte Grenzen. Nachfolgend der Wortlaut. Die Hervorhebungen sind von uns vorgenommen.

Nehmt Trump das Smartphone weg!
Und täglich grüßt das Trampeltier! Mit markanten Tweets scheint Donald Trump die Welt regieren zu wollen. Das mag komfortabel sein - für ein Oberhaupt einer Supermacht ist das aber ein Unding.
Und täglich grüßt das Trampeltier! Meist frühmorgens pustet der offensichtlich unter präseniler Bettflucht leidende künftige US-Präsident Twitter-Botschaften in die Welt, die am folgenden Tag die Nachrichtenlage bestimmen.
Trump rüffelt Unternehmen, worauf deren Aktienkurse einbrechen. Trump kritisiert ausländische Regierungen, worauf die Diplomaten rotieren. Trump blamiert die eigenen Geheimdienste, auf die er doch in den kommenden Jahren angewiesen ist.
Wozu noch Pressekonferenzen?
Und weil 140-Zeichen-Botschaften viele Fragen offenlassen, rätseln anschließend die Experten, was wohl dahintersteckt. Die Journalisten haben keine Chance, nachzufragen. Denn seit dem Sommer hat Trump keine Pressekonferenz mehr gegeben. Warum auch? Warum sich eine Stunde lang kritischen Nachfragen stellen, wenn doch ein 140-Zeichen-Tweet genau so viel Berichterstattung garantiert - und die Gerüffelten auch so klein beigeben, so wie Ford oder die Republikaner im Kongress.
Kommando statt Dialog
Manche von Trumps Tweets grenzen an Cyberbullying. Es ist der Politik-Stil eines Alphatiers, der am liebsten alle nach seiner Pfeife tanzen lässt: 140-Zeichen-Kommandos statt Dialog. Als Chef eines Unternehmens mag das funktionieren - nicht aber als Präsident einer Supermacht. Da zählt jedes Wort. Unbedachte Äußerungen können zu gefährlichen Konflikten eskalieren.
Weg mit Trumps iPhone!
Wenn Trumps Mitarbeiter im Weißen Haus nicht wahnsinnig werden wollen, dann müssen sie ihm das iPhone wegnehmen - oder zumindest dafür sorgen, dass er seine Botschaften nicht mehr ohne jede Abstimmung aus dem Bauch heraus abschießt. Und noch etwas: dass sich Trump jetzt schon mit seinen Tweets in die Außenpolitik einmischt, ist unerhört und respektlos. Schließlich ist bis zum 20. Januar Barack Obama der amtierende US-Präsident.
Standpunkt: Nehmt Trump das Handy weg!
M. Ganslmeier, ARD Washington
04.01.2017 17:12 Uhr

Quelle: s.o.

Ganslmeier hat es offenbar weder mit der journalistischen Seriosität, noch mit der Logik, noch mit der deutschen Sprache.

Für seinen Familiennamen ist niemand verantwortlich zu machen, für dessen Aussprache auch nicht (s. unser Pkt. 3). Einem gewählten, jedoch noch nicht amtierenden US-Präsidenten vorzuhalten, er leide an präseniler Bettflucht und benehme sich wie ein Alphatier, sein Gebaren gehöre sich nicht für den Präsidenten einer Supermacht, ist weder angebracht noch logisch (s. unser Pkt. 2). Solche Bemerkungen würde sich der Kommentator garantiert nicht herausnehmen, wäre er Korrespondent in Berlin und kommentierte die Handy-Verliebtheit der Bundeskanzlerin (s. unser Pkt. 2). Zu schreiben „das funktioniert als Chef eines Unternehmens, aber nicht als Präsident einer Supermacht“ demonstriert, dass der werte Herr Kommentator nicht mal sein Handwerkszeug beherrscht, die deutsche Sprache (s. unser Pkt. 1). Ganslmeiers Kommentar ist eine spätbupertäre, schlecht geschriebene Schnöselei. Der Mann war vor seiner Beförderung in den Korrespondenten-Job Referent des NDR-Intendanten, vulgo: dessen Kofferträger. Möglicherweise sonnt er sich im Abglanz seines Einflusses, und ARD-aktuell-Chefredakteur Dr. Gniffke traute sich nicht, den angebotenen Kommentar dahin zu tun, wohin er gehört hätte: in den Abfalleimer. Stattdessen stellte er ihn auf tagesschau.de ein und klebte das Etikett drunter:

Redaktioneller Hinweis
Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Das stimmt zwar. Aber einen Kommentar wie den vorliegenden zu veröffentlichen, statt ihn zu vermüllen, zeigt immer noch, wes Geistes Kind der Redaktionsleiter ist.

Wir sind gespannt, zu erfahren, wie sich das bei den NDR-Rundfunkräten verhält.

Mit freundlichen Grüßen
Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

  • Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

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