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Chapeau! Am Dienstag, den 21. Jänner, hast du wieder eine Kür der Spitzenklasse aufs Parkett gelegt. Du präsentiertest eine Gruselstory von "industriellem Massenmord" und Folter in syrischen Gefängnissen. Das war d e r Renner in allen Nachrichten.  
Ein Pracht-Aufmacher.

 


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Spitzmarke*

von Volker Bräutigam**

Die dem Imperialismus stets zu Diensten bereite Journaille griff die Tatarenmeldung freudig auf. Hier sei als pars pro toto die gute Tante Tagesschau vom 21.01. zitiert:

 

"In syrischen Gefängnissen sollen internationalen Rechtsexperten zufolge Tausende Häftlinge systematisch gefoltert und zu Tode gequält worden sein. Dem britischen "Guardian" sowie dem Sender CNN liegt ein Bericht von Human Rights Watch vor, der sich auf Aussagen eines nach eigenen Angaben übergelaufenen syrischen Polizei-Fotografen stützt. Dieser habe demnach rund 27.000 Bilder von 11.000 toten Häftlingen auf Datenträgern aus dem Land geschmuggelt, die er selbst fotografiert haben will. Insgesamt werteten die Autoren des Berichts etwa 55.000 Fotos aus."

 

Wer diese Autoren sind, wo sie auswerteten, mit welchen Mitteln, in wessen und mit welchem Auftrag und von wem bezahlt, wurde in keinem der ungezählten Berichte in den Koof-mich-Medien dargelegt. Auch das EhNaMag Der Spiegel wiederholt den Scheiß, schäumt und serviert nur positives Leserecho.

Was Tante Tagesschau und Konsorten verschwiegen, ermittelte löblich Karin Leukefeld und berichtete es in der »jungen Welt

"Zusammengestellt wurde der Report von drei internationalen Juristen, unter ihnen Desmond de Silva, der das Sondertribunal zu Sierra Leone geleitet hatte. Er sagte dem Guardian, was er gesehen habe, beweise, daß die syrischen Streitkräfte »im industriellen Maßstab morden«. Auftraggeber des Berichts war das Emirat Katar, das auch bewaffnete Gruppen in Syrien militärisch und finanziell unterstützt."

Der Diktator und "Emir" Katars, in dessen Ölscheichtum hübsch regelmäßig hingerichtet wird, Sklaven gehalten werden und Menschenrechte einen Dreck gelten. Der aber "unser Schweinehund" (Franklin D. Roosevelt) ist und damit jeglichen kritischen Hinterfragens enthoben. Der Blutsäufer also wird als Garant für objektive Berichterstattung über seinen Erzfeind Assad genommen.

Zufall!

 

 

Und noch für weitere Nachrichten sorgtest du an diesem Dienstag und in diesem Zusammenhang: Die Chefankläger in ihrer Dreifachrolle als Zeugen, Ankläger und Richter durften Syriens Armee als "Mördertruppe Präsident Assads" verurteilen, ohne Beweis führen zu müssen und den einzigen Zeugen zu nennen, Begründung: "... um seine Sicherheit nicht zu gefährden." 

Zufall!

 

 

Dank deines hilfreichen Wirkens hatte die für die Massenmedien schmierende Journaille natürlich wieder mal keine Zeit, auch nur ansatzweise kritisch überprüfende Recherchen anzustellen: Wer hat die schrecklichen Aufnahmen gemacht? Sind sie authentisch? Wo sind sie tatsächlich entstanden? In welchem Zeitraum? In Afghanistan oder Abu Ghuraib? Wer sind die Opfer? Handelt es sich wirklich um Syrer? Wer hat sie gefoltert? Wer hat sie umgebracht? Nein, dazu gab es seitens der Journaille keine Nachforschungen und erst recht keine Antworten. Dafür aber jede Menge Unterstellungen. 

 

Weitere entscheidende Fragen ließest du erst gar nicht aufkommen: Warum wohl es dem Ami-Sender CNN, dem britischen Bürgerblatt The Guardian und der inzwischen reichlich heruntergekommenen BBC genügte, über keine anderem Quellen für ihre Gruselstory zu verfügen als einzig und allein und ausgerechnet die US-amerikanische "NGO" »Human Rights Watch. Als ob dieser obskure Verein nicht von dem Multimilliardär und internationalen Großspekulanten George Soros mit 100 Millionen US-Dollar Spenden gesalbt und noch nie bei krummen Touren ertappt worden wäre. Ein Laden, der immer zur Stelle ist, wenn es angebliche Menschenrechtsverbrechen in Ländern anzuprangern gilt, die sich dem US-Imperium nicht beugen. Eine "NGO", die sich andererseits äußerster »Zurückhaltung befleißigt gegenüber den ungeheuerlichen Kriegs- und sonstigen Massenverbrechen der USA oder der NATO. 

Heiliger Zufall, du hast offenbar auch noch viele Klone auf Trab: Einer sorgte dafür, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, anerkannter Oberlakai des US-Imperiums, die Iraner erst zur Syrienkonferenz nach Genf ein- und kurz darauf wieder auslud. Und ein anderer war es, der die schön gruselige Folterstory ebenfalls genau einen Tag vor dieser, der Friedensarbeit gewidmeten, Konferenz in die Massenmedien lancierte.

Nun also wird es dir, werter St. Zufall, mutmaßlich zu danken sein, dass diese Friedenskonferenz für Syrien ausgeht wie das »Hornberger Schießen. Will sagen: In Syrien morden die von Amis, Saudis, Franzosen und Sonstigen bezahlten und mit schweren Waffen belieferten ausländischen Söldner und abgerichtete inländische Terroristen weiter. Damit noch viele schöne gruselige »Fotos von Verbrechen gemacht werden können, die sich Assad und seinen Leuten unterschieben lassen. Amis und Israelis und die Internationale der Rüstungslobby reiben sich die Hände, und die Welt muss weiter zittern, dass das Pulverfass Naher Osten hochgeht.

Welch ein Zufall! Immer hast du genügend Bretter auf Lager, die du der Journaille vor den Schädel nagelst, damit sich diese Schmocks nicht an die Giftküchen der US -Desinformations- und Propaganda-Industrie erinnert fühlen, ehe sie ihren Dreck dem verblödete Publikum servieren. Das gruselt sich schließlich gern bei »Geschichten wie denen von irakischer Soldateska, die in Kuwait Babys aus ihren Brutkästen riss und auf den Krankenhausboden schmetterte. Und wie war das noch mit den »Massenvernichtungswaffen, die Hussein im Wüstensand versteckt hatte?

Kein Zufall ist es allerdings, dass kein Journalist öffentlich zu fragen wagt, wem es wohl nützt, wenn die Genfer Friedensbemühungen scheitern und Krieg und Kriegsverbrechen in Syrien ungehemmt weitergehen.

 

 

 

© Volker Bräutigam

© Grafik: Arbeiterfotografie 

*Als »Spitzmarke wird vor allem im Journalismus eine einleitende Information zu Beginn einer Nachricht oder einer Pressemitteilung bezeichnet.

Foto: Wikipedia**Volker Bräutigam schreibt für die Zeitschrift Ossietzky, Nachfolgerin der "Weltbühne", die dem deutschen Journalismus zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zur Ehre gereichte. Ossietzky orientiert sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.» http://ossietzky.net). Seine literarische Figur eines sarkastisch stänkernden Laubenpiepers lässt er in seinem Buch »„Die Falschmünzer-Republik - Von Politblendern und Medienstrichern“ ausgiebig zu Wort kommen. Illustriert ist es mit Karikaturen von Klaus Stuttmann. Der Band ist vergriffen. Einzelexemplare nur noch mit Suchmaschinen auffindbar (erschienen 2009 im inzwischen aufgelösten Scheunen-Verlag, Kückenshagen, 308 S., ISBN: 978-3-938398-90-6.) 

 

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