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Wer will, mag den geradezu demonstrativen, kollektiven Gedächtnisschwund in den Redaktionen der bundesdeutschen Leitmedien als Tributzahlung an den »Zufall ansehen:

 


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Spitzmarke*

von Volker Bräutigam**

Hinweise auf die Beteiligung deutscher „Dienste“ und Politiker an den Folterpraktiken der US-Geheimdienste im allgemeinen und der syrischen im besonderen unterblieben. Holen wir hier also dieses und einiges weitere nach:

 
Der Bundesnachrichtendienst, BND, das Bundeskriminalamt, BKA, und das Bundesamt für Verfassungsschutz, BfV, waren auf diversen Ebenen und mit Wissen der Bundesregierung dem CIA-System geheimer Foltergefängnisse »nützlich, in denen systematisch gefoltert wurde – und wird. Vergessen?


Deutsche Behörden haben Namen vorgeblicher Terroristen sowie bei illegalen Abhörmaßnahmen gewonnenes Material an die CIA »weitergegeben. Das geschieht mutmaßlich auch bis zur Stunde noch. Vergessen?


Das BKA hatte nicht nur Kenntnis von illegalen und geheimen Gefängnissen, sondern hat in ihnen auch selbst Verhöre durchgeführt. „Befragte“: »Murat Kurnaz in Guantánamo, »Muhammad Haidar Zammar in Syrien und andere. Vergessen?


Auch »Khaled al-Masri sagt von einem seiner Peiniger in Afghanistan, er sei Mitarbeiter des BND gewesen. Zumindest legen Indizien nahe, dass die Fragen vom BND geliefert wurden. Vergessen?


Dass deutsche Agenten Verhöre in Guantánamo durchgeführt haben, wurde von der »ARD-Tagesschau ganz förmlich gemeldet. Ist das Archiv in Hamburg abgebrannt?


»Wolfgang Schäuble, CDU, seinerzeit Innenminister, hat die Verwendung von unter Folter gewonnenen Erkenntnissen vehement verteidigt. Er hatte dabei die volle Rückendeckung der Kanzlerin Angela Merkel. Vergessen?


Die Bundesregierung hat 2006 »eingeräumt, dass das Bundeswehr-Kommando Spezialkräfte, KSK, in Afghanistan Geheimgefängnisse schütze; aktive Beteiligung von KSK-Soldaten an Folterungen wurde, allerdings wenig glaubhaft, bestritten. Vergessen?


Die Entrüstung deutscher Politiker und ihrer journalistischen Kamarilla über Folter, Mord und Totschlag in Syrien hat nichts Zufälliges. Sie ist inszeniert und bezweckt nicht nur, von US-amerikanischer Einmischungs-, Folter- und Kriegspolitik abzulenken, sondern vor allem von der deutschen Komplizenschaft dabei.
 

© Volker Bräutigam

© Grafik: mit freundlicher Genehmigung, www.egonkramer.de 

*Als »Spitzmarke wird vor allem im Journalismus eine einleitende Information zu Beginn einer Nachricht oder einer Pressemitteilung bezeichnet.

Foto: Wikipedia**Volker Bräutigam schreibt für die Zeitschrift Ossietzky, Nachfolgerin der "Weltbühne", die dem deutschen Journalismus zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zur Ehre gereichte. Ossietzky orientiert sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.» http://ossietzky.net). Seine literarische Figur eines sarkastisch stänkernden Laubenpiepers lässt er in seinem Buch »„Die Falschmünzer-Republik - Von Politblendern und Medienstrichern“ ausgiebig zu Wort kommen. Illustriert ist es mit Karikaturen von Klaus Stuttmann. Der Band ist vergriffen. Einzelexemplare nur noch mit Suchmaschinen auffindbar (erschienen 2009 im inzwischen aufgelösten Scheunen-Verlag, Kückenshagen, 308 S., ISBN: 978-3-938398-90-6.) 

 

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